Erosive Modeling

by: Kristin Dolz

Erosive Modeling

Contemporary CAD software makes it difficult for the user to comprehend and evaluate a form in its entirety during modeling. Erosive Modeling aims to allow users to constantly deal with chance while keeping all aspects of the form in focus. This approach results in a rather exploratory and interactive form-finding process.
Inspired by the procedure of sandblasting, the tool uses the physical principles of the abrasion process and acts as a fluid dynamic particle stream. It enables the user to remove the volume from the existing virtual form and to erode vertices, edges and faces. The particle stream can be adjusted in its intensity and in its focus, as well as controlled directionally at all times during the erosion process. Resulting forms exhibit plausible, balanced and continuous transitions and blends.
Through the utilization of this research based practice the potential application of this method is suitable for the development, correction and adaption of virtual forms which support architectural, medical and mobility industries.

Kristin Dolz is a Product Designer based in Berlin. She is researching phenomena of the emergence, transformation and resilience of form. Through the approach that form is being constituted within interactions she investigates the potentials of analog and digital technologies.
Her work has been exhibited at the Martin-Gropius-Bau in Berlin in +ultra. gestaltung and knowledge (2016) as well as at the Industriemuseum Chemnitz in Material Effekte (2016). She has been awarded by the 6. Marianne Brandt Wettbewerb in 2016. The development of Erosive Modelling was funded by the Designfarm Berlin.




Erosive Modeling

Eine bestimmte Art von Experimenten im Design wird von subjektivem Erleben getragen und zeichnet sich durch die Verbundenheit mit der Materialität und durch die Körpererfahrung des Gestalters aus. Es bedarf u.a. der Hände und Augen und eines komplexen sinnlichen Zugangs, damit die Reichhaltigkeit eines Materials Wirkung entfaltet.* Die Form wird in diesen Interaktionen konstituiert.
Wenn dem Material jedoch nur mit einem digitalen Verständnis begegnet wird, reduziert sich ebendiese Reichhaltigkeit auf wenige Parameter, etwa dem der Leitfähigkeit von Strom. In Verbindung mit einem solchen Vorgehen reduzieren sich auch die Erkenntnismöglichkeiten und die Formenvielfalt im Design nimmt ab.

Im Projekt Erosive Modeling habe ich mich in Hinblick auf die Abstraktion und Reduktion in der Auseinandersetzung mit dem Materiellen mit Computer Numeric Control (CNC)- Technologien beschäftigt, insbesondere der CNC- Fräse, die eine virtuell im Computer Aided Design (CAD) erstellte Form aus einem Materialblock herausschneidet. Soll eine Korrektur oder grundlegende Anpassung an der gefrästen Form stattfinden, geschieht dies über den langwierigen Umweg des Rechners oder nachträglich durch aufwendige Schleifarbeit. Obwohl im Bereich des CAD ästhetische Entscheidungen eine Rolle spielen, können diese nur indirekte Entscheidungen sein, die vermittelt über die Programmebene laufen.
Im Experiment mit verschiedenen abtragenden Technologien dagegen entstand ein neuer Zugang über das Verfahren des Sandstrahlens. Bislang als ein Werkzeug der Oberflächenbearbeitung genutzt, ließen sich mit entsprechenden Materialien Kurvenverläufe und Erosionsflächen im Volumen erzeugen, die so bisher im Rechner nicht zugänglich sind. Das direkte Handling des abtragenden Partikelstroms ermöglichte eine Formfindung, die immersiv und korrelierend zwischen Hand, Auge und Gegenstand stattfindet. Abgesehen von den vielfältigen Implikationen der krümmungsstetigen und formal ausbalancierten Ergebnisse, kann das Verfahren Vorlage für zukünftige Entwurfsprogramme sein, die ein neuartig dynamisches und interaktives Modellieren im Rechner erlauben.

Der Beitrag soll drei Möglichkeitsbereiche beleuchten, in denen das Verfahren des abrasiven Modellierens erstmalig Wirkung entfalten kann. Hierbei rücken Objekte ins Blickfeld, die stellvertretend für Mobilität, Architektur und Medizin stehen.

* vgl. Petruschat, Jörg. (2019). Prototyping Von Grund auf. Einige Bemerkungen zum Experimentieren im Design.

Kristin Dolz ist als selbstständige Produkt Designerin in Berlin tätig. Sie erkundet Phänomene der Entstehung, Veränderung und Widerstandsfähigkeit von Form. Sie verfolgt den Ansatz, dass Form in Interaktionen konstituiert wird und untersucht daraufhin die Potentiale analoger und digitaler Technologien.
Ihre Arbeit wurde im Martin-Gropius-Bau in Berlin in „+ultra gestaltung schafft wissen“ (2016) sowie im Industriemuseum Chemnitz in „Material Effekte“ ausgestellt (2016). Sie wurde im 6. Marianne Brandt Wettbewerb ausgezeichnet. Die Entwicklung des Projektes Erosive Modeling wurde 2017 durch die Designfarm Berlin gefördert.